Fehlersuchbilder und Löcher im Käse

Hannes Offenbacher schreibt in seinem Blog (übrigens: Empfehlung!) im Beitrag “Kraft der Wertschätzung” über die unscheinbare Funktion “Gefällt mir” in Facebook und wie sie dazu beiträgt “spielerisch einfach anderen seine Wertschätzung zu zeigen.”

Ich finde an der dargestellten Facebook-Funktion beachtlich, dass man sich "getraut" hat, nur "Gefällt mir", nicht aber "Gefällt mir nicht" anzubieten. Andere Webseiten stellen beide Optionen zur Wahl (vgl. Online-Standard grüne/rote Sticherln), was erst recht wieder zu Diskussion, nicht aber zu einfacher Anerkennung, zu Aufmunterung und Lob führt. Und davon kann es in der Welt nicht genug geben.

Manchmal scheint mir die Interaktion in unserer Gesellschaft, insbesondere auch im Bereich Personalführung, einem dieser ominösen Fehler-Such-Bilder zu gleichen: Finden Sie 5 Fehler in der anderen Person. Und das ist ja auch kein Wunder, denn wir werden von klein auf im Rahmen unseres Bildungssystems immer auf unsere Fehler und Mängel aufmerksam gemacht, und nicht oft genug auf unsere Stärken.

Und so suchen wir fortwährend die Löcher im Käse, und vergessen dabei, den Geschmack des Käse zu würdigen und wertzuschätzen.

Die Aufmerksamkeits-Ökonomie bringt diese Grundhaltung nun zum Kippen. Vielleicht übertreibt sie es dabei, und vielleicht  wird Lob allzu leichtfertig und vielleicht auch aus nicht immer objektiv gerechtfertigten Motiven verteilt. Sei es bei Facebook (“Gefällt mir”), sei es bei Twitter (“Retweet”).

Und wenn schon. Ich meine, dass im Allgemeinen zuviel Lob weniger schädlich für den Menschen ist, als zuviel Kritik. Lasst das Pendel also ruhig mal in diese Richtung ausschlagen – mit der Zeit werden wir hoffentlich das richtige Mittelmaß finden.

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3 Antworten zu Fehlersuchbilder und Löcher im Käse

  1. Hannes schreibt:

    Und es ist erstaunlich, dass diese Fehlerfixierung noch immer dominiert, wo doch eigentlich klar ist, dass sie nicht förderlich ist. Peter Drucker\’s "Führen Leisten Leben" war und ist eines meiner "immer-wieder" Bücher und besonders wertvoll ist sein Kapitel über "Stärken stärken" – wo er eindrücklich vor dem Versuch, Schwächen zu eliminieren, abratet. Doch was sollen wir auch machen, bei einem Schulsystem, dass vom ersten Tag an den Kindern versucht aufzulauern, um ihnen beim ersten Fehler, einem Schrankmonster ähnlich, eine tiefsitzende Angst nährt und "Schule-gehen" zur Dauerbelastung macht?

  2. Ali schreibt:

    Es ist leider ein zeitloses Thema, welches nur allzuoft von den falschen Stellen (Eltern, Lehrer, etc.) befürwortet und sogar stark verteidigt wird.Meist ja nach der Denke "später im Leben ist es auch hart genug, daher lieber jetzt schon lernen, weniger Fehler zu machen".Es wird mehr als eine Generation brauchen, um hier einen Umbruch herbeizubringen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt :-) @Hannes: ich bin absolut nicht auf der Suche nach den Löchern im Käse :-) aber kann es sein, dass du hier Fredmund Malik meinst? "Führen Leisten Leben" hab ich vor zig Jahren gelesen, aber soweit ich mich erinnere, war es nicht von Drucker.Und bezüglich unseres Schulsystems … sich darüber zu ärgern schadet nur der eigenen Gesundheit … rede aus eigener Erfahrung :-)

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